Nach Irland der Pferde wegen

 

von Martin Haller

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Willie Leahy


Connemara Ponies



Connemara


Connemara Trail


See in Connemara


Reiten an der Küste


Castle in Connemara


Erstklassige Hotels


Ritt durchs Wasser


Connemara Ponies

Connemara Stute mit Fohlen


Bad im Meer

Erfrischung für Pferd und Reiter



Wanderreiten am Meer



Tränken im Fluss


Connemara Pony for sale


Springreiten über Steinmauer


Willie führt die Gruppe




Der Wind blies stark hier oben auf dem Bergrücken mitten in der Connemara, er spielte mit den Mähnen und Schweifen der Pferde, zerrte an unseren Regenjacken und Legte das dünne Berg Gras in silberne Wellen. In dem felsübersäten Tal vor uns lagen braun-grüne Weideflächen, von einem endlosen Labyrinth aus Steinmauern zerschnitten, so dass das ganze Land wie ein riesiges Puzzlespiel erschien. Ganz unten, am Atlantik, lagen winzige, kalkgetünchte Hütten im Sonnenlicht, weiße Zuckerwürfel auf einer grünen Tischdecke.

Unser Treck begann südlich der Stadt Clifden, auf einer Weide an der Atlantikküste. Wir waren von Galway, der heimlichen Hauptstadt Westirlands, mit dem Auto hierher gebracht worden, quer durch die Urlandschaft der Connemara. Hier, am westlichsten Zipfel Europas, warteten die Pferde und Ponys auf ihre Reiter, die sie eine Woche lang durch eine der schönsten Gegenden Irlands tragen würden.

Die Route sollte uns über rund 170 Kilometer südöstlich entlang der Atlantikküste und dann noch ein Stück Inland zurück nach Galway fuhren.
Unser Führer (gleichzeitig der Eigentümer .des Treckingstalles) war Willie Leahy, ein Bilderbuch-Ire und Pferdemann par excellence. Mit den Trail‘s begann er beinahe zufällig vor 22 Jahren. Eine französische Studentenorganisation hatte versucht, für rund 20 junge Franzosen einen Ritt durch die Connemara zu organisieren, aber im damals touristisch unerschlossenen Westen Irlands kein Glück gehabt.
Schließlich machte sich Willie erbötig, den Trail durchzuführen. Die Pferde musste er sich ausleihen, überhaupt war das ganze Unternehmen sehr improvisiert. Der Erfolg jenes ersten Trails hatte den geschäftstüchtigen Pferdezüchter jedoch wachgerüttelt, und seit damals fuhrt er zwischen Mai und September Reiter aus der ganzen ' Welt durch die reizvolle Landschaft des alten Königreiches Connaught.

So standen auch wir an einem Montagmorgen auf der steinübersäten Wiese neben einem Berg von Sattelzeug und blickten eher skeptisch auf die verstreut weidenden Pferde, die uns völlig ignorierten. Willy und sein Sohn Declan brachten Lunchpakete, Käse, Brot und Schinken, und während wir picknickten, wurden wir von geübten Augen gemustert. Denn das Geheimnis eines erfolgreichen Trails liegt in der richten Kombination von Pferd und Reiter. Willy ist ein wahrer Meister der Einschätzung, fragte hin und wieder ganz beiläufig nach dem reiterlichen Werdegang des einen oder anderen Teilnehmers, um schließlich mit unfehlbarer Sicherheit jedem Reiter das ideale Pferd zuzuteilen. Alle Pferde werden von Willy und seinen fünf Kindern selbst zugeritten und gehen mit etwa vier Jahren auf den ersten Trail, allerdings nur für wenige Stunden täglich. Erst wenn sie völlig verlässlich und fit sind, wird das Tagespensum angehoben. Willy kennt alle Pferde und Ponys wie seine eigene Hand, weiß um die Schwächen und Stärken jedes einzelnen Tieres und kann somit sehr gut abschätzen, zu welchem Reiter es passt. Allerdings kann es schon passieren, dass er den Namen eines Ponys vergisst, dann wird dem Tier kurzerhand ein Standardname. verpasst.

Als wir losritten, nieselte es, und die Regenjacken wurden zum ersten von unzähligen Malen angezogen. Wir trabten in einer langen Reihe die schmale Landstraße entlang, um bald in die Berge abzubiegen und querfeldein unser erstes Etappenziel, Cashel House, anzusteuern. Die Route führte uns über Errisbeg, einen riesigen, kahlen Bergrücken, von dem aus man einen herrlichen Blick über Dog's Bay im Süden und zu der Bergkette der Twelve Bens im Norden hat.

Nach sieben Stunden erreichten wir Cashel, hundemüde zwar, aber von den Eindrücken des Rittes überwältigt. Für zivilisationsgeschädigte Hallenreiter ist dieser Trail ein Ritt in den siebten Himmel. In Cashel House bekamen wir einen ersten Geschmack davon, woraus nach Willys Auffassung ein Trail bestehen sollte: tagsüber bei Wind und Wetter über Stock und Stein, abends die geschundenen Glieder bei einem fulminanten Dinner in erstklassigen Hotels erholen. Cashel war nur der Anfang einer Reihe von stilvollen, gemütlichen Häusern, die uns müde Reiter mit der typisch irischen Gastfreundlichkeit aufnahmen und neben aus-gezeichnetem Essen jeden erdenklichen Luxus boten. Der Räucherlachs von Cashel beispielsweise war ein nachhaltiges kulinarisches Erlebnis!

Tags darauf ging es nach einem substantiellen Frühstück weiter. Inzwischen war auch Declan mit dem Trailer und Ersatzpferden sowie dem Mittagspicknick zu uns gestoßen. Seit dem ersten Trail vor über zwei Dezennien hat sich eine Routine entwickelt, die für alle Notfälle Vorsorge trifft. Sollte ein Pferd ausfallen, steht binnen kurzer Zeit ein Ersatzpferd bereit, und Ausfälle können schon vorkommen, denn reibungslose Organisation und luxuriöse Dinners dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses schöne, raue Land auch Gefahren birgt! Eines unserer Pferde versank bis zur Brust in einem Moor Loch, und nur Willys Anweisungen ermöglichten es der Reiterin, ihr Tier wieder auf festen Boden zu retten.

Und auch die beste Planung wird hier in Irland manchmal über den Haufen geworfen. Am nächsten Morgen wollten wir besonders früh aufbrechen, stand uns doch eine Tagesetappe von rund 30 Kilometern über schwierigstes Terrain bevor. Am Vorabend hatten wir die Pferde in einer großen Weide am Ende eines Talkessels gelassen, deren Mauern und Tor einen durchaus soliden Eindruck machten. Groß war unsere Enttäuschung, als wir in der Früh kein einziges Pferd mehr vorfanden. Eines der schlauen Connemara-Ponies, ein notorischer Ausbrecher, hatte den Riegel des Tores geöffnet und die gesamte Truppe zu einem nächtlichen Spaziergang eingeladen. Nach einer mehrstündigen Suche, während der wir den Einsatz von Helikoptern, Lassos und getarnten Fallgruben sehr ernsthaft diskutierten, waren die Ausreißer endlich da, wo sie hingehörten, nämlich unter den Sattel.

Inzwischen waren riesige, dunkelgraue Wolkenbänke aufgezogen, und wir trotteten schweigend in den beginnenden Regen hinein. Nach dieser Etappe, auf der wir die schlechten Seiten des irischen Wetters voll auskosteten, erschien die Aussicht auf Whiskey hot und Irish Coffee so verlockend wie noch nie. Mittwoch ist Badetag! Der dritte Reittag diente der Erholung, und dazu gehört ein erfrischendes Bad im Atlantik für Reiter und Pferd. Wir ritten zum Strand von Mweenish (ein gälischer Name, der Meinisch ausgesprochen wird) und galoppierten in Badehosen auf blankem Pferdenicken den endlosen Sandstrand entlang, wild brüllend vor Vergnügen, wenn die Pferde durch die flachen Gezeitenbecken stoben, dass das Wasser nur so spritzte. Dann ging es geradewegs hinein in den türkis-blauen Atlantik. Mein Pferd ging vorsichtig und ruhig in das nasse Element und stieß sich, als es fast keinen Boden mehr unter den Hufen spürte, mit einem mächtigen Schwung voran. Das Wasser war, dank des milden Golfstromes, der die grüne Insel umspült, wärmer als die Luft, Später ritten wir zu einer Fischerhütte, deren Bewohner uns mit einem Schluck des selbstgebrannten Feuerwassers namens Potcheen aufwärmten. Wegen der horrenden Alkoholpreise brennen viele Farmer ihren eigenen Schnaps, was zwar streng verboten ist, aber niemand hält sich in diesem trinkfreudigen Land an dieses Gesetz.

Der folgende Tag war für Pferde und Reiter wesentlich anstrengender. Wir keuchten bergan, mussten einen Zickzack-Kurs um Felsbrocken und Sumpflöcher herum nehmen, aber nach einer guten halben Stunde hatten wir den Gipfel erreicht. Vor den Nüstern - tierisch und menschlich - standen Atemwölkchen in der Luft, die so stark nach Meer roch, dass das Fernweh beinahe greifbar wurde. Auf einem Berghang streckte Willie den Arm aus und zeigte auf einige kleine, rechteckige Mauerfundamente aus groben Bruchsteinen. Es waren die Überreste eines Famine-Village, was soviel wie ,,Hungerdorf" bedeutet. Während der großen Hungersnot der Jahre 1846 bis 1851 verlor Irland über ein Viertel seiner Bevölkerung, und viele der Überlebenden wanderten aus Angst vor erneuten Katastrophen aus. Damals waren die Kartoffelernten von der Kartoffelfäule fast gänzlich vernichtet worden und damit ein Großteil der armen ländlichen Bevölkerung dem Hungertod preisgegeben. Es sollen sich schier unendliche, schweigende Kolonnen von verhungernden Menschen über das Land gewälzt haben, auf einer hoffnungslosen Suche nach Nahrung, die der karge Boden nicht bieten konnte. Tausende starben, weil sie versuchten, Gras zu essen. Die Ärmsten der Armen waren die Menschen der Connemara, deren kargem Boden auch unter idealen Bedingungen nur das Nötigste abgerungen werden kann. Noch heute findet man Wiesen, die mit einem Gitter von schmalen Rinnen überzogen sind: einst die Kartoffeläcker der Kleinbauern, von Hand bestellt und mit Seetang gedüngt, die ärmliche Lebensbasis einer ganzen Region!

Die Pferde und Ponys brachten uns rasch wieder auf vergnüglichere Gedanken. Die besseren Reiter unter uns waren mit mittelgroßen, kräftigen Huntern beritten, die weniger routinierten auf den zähen Connemara-Ponys aus Willys eigener Zucht. Der .Herr der vielen Pferde nennt rund 200 Tiere sein Eigen, sie leben verstreut über die ganze Provinz auf riesigen Weiden, völlig sich selbst überlassen. Willy ist einer der größten Züchter und hält ständig zwei bis drei Deckhengste, die für gute Nachzucht sorgen - und er braucht diese ständig, denn so mancher Trail-Tourist verliebt sich in sein Reittier und nimmt es mit nach Hause. Willy wäre kein Ire (und schon gar kein Pferdezüchter), wenn nicht ,,zufällig" gerade jenes Pony, das ein betuchter Gast zu seinem Liebling erkoren hat, zum Verkauf stünde.

Am Nachmittag boten sich einige Steinmauern förmlich zum Springen an, was wir gerne nützten. Die Pferde gingen die scharfkantigen Mauern sehr ruhig an, sprangen vorsichtig aus verhaltenem Tempo. Diese Technik ist allen irischen Jagdpferden eigen, die mit den schwierigsten Geländebedingungen fertig werden müssen, dazu oft mit einem ungeübten Reiter am Buckel. Der Sturz einer amerikanischen Reiterin ging glimpflich aus, sie hatte ihr Können etwas über- und die Höhe der Mauer unterschätzt. Dieses kleine Missgeschick war allerdings nur der Vorbote eines weit größeren. Als wir etwas später am Atlantik entlang ritten und dabei durch einen kleinen Meeresarm mussten, glitt ihr Pferd aus und stürzte. Das blonde Girl aus Wisconsin flog durch die Luft und landete unglücklich auf einem im Wasser verborgenen Felsen. Prustend und mit einem verletzten Arm tauchte sie wieder auf. Am Abend waren die Schmerzen stärker geworden, und sie begleitete uns fortan im Landrover, den malträtierten Arm in Gips, aber dennoch guter Dinge.

In den folgenden Tagen bewegten wir uns vom Meer weg in östlicher Richtung auf Galway zu. Die Landschaft verlor an Schroffheit, immer häufiger ritten wir durch Föhren- und Kiefernwälder, auch die Besiedelung wurde dichter, was hier bedeutet, dass die Einsamkeit etwas weniger deutlich ist. An den Bächen trafen wir manchmal auf einsame Angler, in hüfthohen Wattstiefeln im klaren Wasser stehend, bewegungslos wie blattlose Bäume, im stummen Zweikampf mit dem Lachs, der vornehmsten Beute, die Irlands Gewässer zu bieten hat. Unsere Pferde erwiesen sich als Meister im überwinden natürlicher Geländehindernisse. Sie bewegten, sich mit schlafwandlerischer Sicherheit über Geröllhalden und sumpfige Moorgebiete, durchwateten Bäche und Tümpel mit der größten Selbstverständlichkeit und zeigten auch am Ende eines langen Reittages kaum Ermüdungserscheinungen.

Üblicherweise gehen sie die ganze Saison hindurch fünf Tage in der Woche auf einem Trail, entweder die Küste entlang oder quer durch die Connemara. Den Winter über bleiben sie auf den tiefergelegenen Weidegründen nahe des Ortes Loughrea, wo Willys Farm liegt. Dort ist das Wetter besser als hier an der Küste, die Atlantikstürme haben ihre Wucht verloren und das Gras hat auch im Winter einen hohen Nährwert. Am Freitag ritten wir durch eine Kiefernschonung nahe des Ortes Moycullen. Hier mutete die Gegend fast subtropisch an, wilde Rhododendren, Palmen und Fuchsia säumten die Gärten und Wege.
Wir konnten die Nähe der großen Seen Corrib und Mask schon erahnen, es lag jene eigenartige, milde Würzigkeit in der Luft, wie man sie nur in unmittelbarer Umgebung großer Wasserflächen findet. Unser Ritt neigte sich dem Ende zu, und wir stellten einhellig fest, dass wir in alle Ewigkeit so weiterreiten könnten. Westirland hatte uns in seinen Bann geschlagen, und jeder von uns schwor heilige Eide wiederzukommen. Willies Fröhlichkeit und persönlicher Ehrgeiz, unseren Ritt so schön wie irgend möglich zu gestalten, und unsere braven Pferde, die uns in dieser Woche wirklich ans Herz gewachsen waren, hatten das ihre beigetragen. Der Trail endete tags darauf in Barna. Galway war fast erreicht, weit draußen in der Galway Bay konnten wir die Aran Inseln im Dunst sehen, graublaue Rücken im spiegelglatten Meer. Dort leben heute noch Fischer und Stricker unter den selben harten Lebensbedingungen, wie ihre Vorfahren.
Berühmt wurden die Inseln wegen ihrer herben, ein-samen Schönheit und der hervorragenden Wollpullover, die aus der fetten Wolle der Aran-Schafe gestrickt werden und die fast wasserdicht sind. Wir schauten lange hinüber, dann verstauten wir Sattelzeug und Klamotten im Trailer und verabschiedeten uns von den Pferden. Sie wurden bald wieder unterwegs sein, wir aber, die kleine Trail Gemeinschaft, würden in aller Herren Länder verstreut von dieser ganz anderen Art des Reitens träumen!


Aille Cross Equestrian Centre
Connemara Trails
Loughrea, Co. Galway
Ireland

Dartfield Equestrian Centre
Horse Museum
Kilrickle, Loughrea, Co. Galway
Ireland


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